Wahrer Wohlstand: 5 Wege, wie du glücklicher wirst

Während der materielle Wohlstand der Welt immer weiter steigt, sinkt das subjektive Glücksempfinden. Zahlreiche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass mehr Geld nicht glücklicher macht, dass Menschen in reichen Nationen unglücklicher sind als in ärmeren, dass Lotteriegewinner das gleiche Level an Glücklichkeit haben wie Menschen, die Traumata erlebt haben, dass Kinder aus der amerikanischen Unterschicht glücklicher sind als die aus der Oberschicht. [3]

Es ist höchste Zeit, darüber nachzudenken, was uns wirklich glücklich macht, denn mit dem aktuellen Wohlstandsbegriff stoßen wir an Grenzen – an die Ressourcen-Grenzen der Erde und die psychischen Grenzen ihrer Bewohner:innen.

Lasst uns also gucken, was die Wissenschaft zur Frage „Was macht uns wirklich glücklich?“ zu sagen hat. Hier sind fünf Wege, die glücklicher machen können und dabei nichts mit materiellem Konsum zu tun haben.

1) Bring mehr Flow in dein Leben

Gruppenchats auf WhatsApp, ständig neue Stories auf Instagram, Facebook-Nachrichten, Push-Benachrichtigungen von News-Apps und Tweets auf Twitter. Ständig prasseln diese Reize auf uns ein, dazwischen beantworten wir „nur mal schnell“ eine E-Mail.

Im Schnitt beschäftigen wir uns zehn Minuten lang mit einer solchen Ablenkung und brauchen anschließend weitere zehn bis 15 Minuten, bevor wir wieder konzentriert an der ursprünglichen Aufgabe arbeiten. Selbst wenn du die Nachrichten nicht öffnest und nur den Benachrichtigungston hörst, wird dein Fokus unterbrochen. [5]

Mihály Csíkszentmihályi ist Psychologie-Professor und forscht seit Jahrzehnten zum Flow-Konzept: Der Zustand, in dem du Zeit und Raum vergisst, vollkommen in eine Tätigkeit versunken bist und sie vielleicht sogar als ekstatisch wahrnimmst. [3]

Flow macht glücklich

Laut seinen Studien hängt Glück davon ab, ob man fähig ist, in Flow-Zustände zu gelangen. [3] Denn während Menschen sich nicht als glücklich bezeichnen, während sie eine Aufgabe erledigen, berichten sie nach einer Flow-Phase, dass sie sich in einem höchst positiven Zustand befunden haben. Und diese positive Erfahrung geht über die Flow-Phasen selbst hinaus: Menschen, die oft im Flow sind, berichten allgemein von mehr Positivität und halten ihr Leben für sinnstiftender als andere. [3]

Öfter in den Flow zu kommen kannst du lernen: Aufgaben, die du dir vornimmst, sollten weder zu leicht noch zu schwer sein, du solltest kontinuierlich Feedback über deinen Fortschritt wahrnehmen und deine Aufgabe entsprechend anpassen. [9]

Ich selbst kann nur sagen: Seit ich (zeitlich) sehr viel weniger als früher arbeite, aber versuche, nur noch im Flow-Zustand zu arbeiten, macht Arbeit so viel mehr Spaß und ich schaffe viel mehr als früher! Um mich in den Flow zu katapultieren, höre ich meist Musik, schließe das Mailpostfach, lege das Handy weg und nehme mir eine konkrete und überschaubare Aufgabe vor.

2) Vernachlässige deine Freizeit nicht

Viele Studien zeigen, dass die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben stark davon abhängt, wie zufrieden wir mit unserer Freizeitgestaltung sind. [4] Besonders die Menschen, die viel Zeit mit anderen Menschen verbringen, geben an, glücklicher zu sein. [8]

Freizeit mit Freunden verbringen

Das Team rund um Jennifer Aaker, Psychologin und Professorin an der Standford University, schlägt einige Prinzipien vor, mit denen Zeit zu mehr Glück führt: [1]

Verbringe deine Zeit mit den richtigen Menschen
Menschen, die viel Zeit mit anderen verbringen, sind tendenziell glücklicher. Dabei ist allerdings wichtig, mit wem du deine Zeit verbringst: Während gemeinsame Zeit mit Freunden, Familien oder Partnern zu höherem Glücksempfinden führt, hat das Feierabendbier mit Kollegen oder der Chefin nicht den gleichen Effekt. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass Menschen sich für letzteres oft aus beruflichen Gründen entscheiden. Wenn du dich also mit deinem Team bestens verstehst, spricht auch nichts gegen einen gemeinsam verbrachten Feierabend!

Verbringe deine Zeit mit den richtigen Aktivitäten
Wähle deine Aktivitäten danach aus, ob du dich auch in Zukunft noch an sie erinnern wirst. Es konnte gezeigt werden, dass bei der Erinnerung an schöne Aktivitäten die Freude nachwirkt und somit über einen längeren Zeitraum glücklicher machen kann.

Genieße die Erfahrung, ohne die Zeit dafür zu verwenden
Dieser Ratschlag irritiert dich vielleicht beim ersten Lesen. Was dahintersteckt: Studien haben gezeigt, dass schon der Gedanke an etwas, das Vergnügen bereitet (z.B. ein Kinobesuch mit Freunden) im Hirn dieselben Regionen aktiviert wie die tatsächliche Handlung. Teilweise löst die Vorstellung sogar eine stärkere Empfindung als die tatsächliche Handlung aus! Das Sprichwort „Vorfreude ist die schönste Freude“ kann also sogar wissenschaftlich belegt werden und das Glücksempfinden erhöhen.

Dehne deine Zeit aus
Egal, ob du jetzt an Einstein oder Hermine Granger gedacht hast – es ist einfacher! Das Zeitempfinden ist sehr subjektiv und ist damit auch manipulierbar: Je mehr du dich auf Momente konzentrierst, desto mehr gefühlte Zeit hast du. Das kannst du erreichen, indem du tief durchatmest, meditieren übst, oder öfter im Flow bist.

Paradoxerweise führt auch anderen zu helfen zum Gefühl, mehr Zeit zu haben. Wenn du dich also immer mal in einer sozialen Einrichtung engagieren wolltest, aber nie Zeit dafür hast, solltest du es vielleicht genau deshalb ausprobieren!

Und zuletzt: Je mehr Kontrolle du darüber hast, womit du deine Zeit verbringst, desto mehr gefühlte Zeit hast du. Je nach familiärer und beruflicher Situation ist dieser Tipp nur schwer umzusetzen. Was helfen kann, ist sich morgens oder zum Start der Woche bewusst zu überlegen, welche vermeintlichen Verpflichtungen wirklich wichtig sind und welche Priorität die anstehenden Aufgaben haben. Versuche, eine Woche lang nur die absolut notwendigen Aufgaben zu erledigen und beobachte, was passiert!

3) Übe dich in Dankbarkeit

Dankbarkeit macht glücklich

Schon seit Jahren ist in der positiven Psychologie bekannt, welche Effekte das regelmäßige Üben von Dankbarkeit auf die Psyche hat.

Wenn du Dinge bewusst machst, für die du dankbar bist, setzt dein Körper die Glückshormone Dopamin und Serotonin frei. [6] Welche Personen hast du in deinem Leben, bei denen du unendlich glücklich bist, sie kennengelernt zu haben? Für welche Umstände, Zufälle und Privilegien bist du dankbar? Wie groß oder klein du denkst ist egal, selbst die Dankbarkeit für den Kaffee heute Morgen oder das gute Wetter hilft!

Durch die positiven Gefühle, die durch Dankbarkeit erzeugt werden, verschwinden negative Emotionen wie Neid, Ärger oder Gier. [7]

Außerdem verbessert das Üben von Dankbarkeit deine Fähigkeit, schöne Erfahrungen zu genießen. [2] Damit kannst du mit Dankbarkeit dein Glück in eine Aufwärtsspirale befördern: Indem du lernst, schöne Ereignisse intensiver zu genießen, hast du in Zukunft noch mehr, wofür du dankbar sein kannst!

Dankbarkeit zu üben ist sehr einfach. Am besten nimmst du dir abends einen Moment Zeit, lässt den Tag Revue passieren und notierst drei Dinge, für die du heute dankbar bist. Am wirkungsvollsten ist diese Übung, wenn du dich noch einmal genau in die Situation versetzt und die positiven Gefühle noch einmal erlebst.

4) Sei für andere da

Selbstloses Verhalten, freundliche Emotionen und Empathie für andere korrelieren stark mit guter Gesundheit, einem langen Leben und Wohlbefinden, das konnte in zahlreichen Studien gezeigt werden. [10] Menschen, die anderen gerne helfen, z.B. indem sie sich ehrenamtlich in sozialen Einrichtungen engagieren, sind also glücklicher.

Das freiwillige Engagement führt zu einer besseren sozialen Integration. Freiwillige können sich aber auch von ihren eigenen Problemen ablenken und eine hohe Sinnhaftigkeit empfinden. Außerdem nehmen sie oft ihre Selbstwirksamkeit und Kompetenz besser war, bekommen bessere Laune und sind körperlich aktiver. [10]

Auf Plattformen wie Vostel findest du NGOs und Hilfseinrichtungen, die Freiwillige suchen. Dort kannst du dich auch nur für einen Tag oder wenige Stunden anmelden. Du kannst aber auch einfach eine Nachricht an Hilfseinrichtungen in deiner Stadt oder einem Ort schicken, oft freuen sie sich über jede Hilfe!

5) Beweg dich!

Du kommst von einem langen Tag nach Hause und möchtest nur noch eins: Dich mit einem großen Teller Nudeln auf die Couch legen und deine Lieblingsserie gucken. Ich will dich nicht enttäuschen, aber… die Wissenschaft rät dir, dich lieber doch nochmal aufzuraffen und zum Sport zu gehen. In einer Studie wurden verschiedene Freizeitaktivitäten und ihre Auswirkungen auf die Laune untersucht.

Sport macht glücklich

Das Ergebnis: von den vier untersuchten Aktivitäten (Sport, musizieren, Kirche besuchen und Serien gucken) führte nur Sport zu einem erhöhten Glücksempfinden. Und das kann bestens begründet werden: Sport macht dich weniger müde, gibt dir mehr Energie, verringert Anspannung, Ärger und Depressionen und kann sogar zu einem Zustand ähnlich dem von drogen-induzierter Euphorie führen. Außerdem kann sich durch Sport das Selbstwertgefühl und das Körperbild verbessern, beim Sport mit anderen trägt auch die Interaktion mit anderen Menschen zu positiven Gefühlen bei. [10]

Während diese Studie vor allem die Effekte direkt nach dem Sport beobachtet hat und argumentiert, dass sich durch regelmäßiges Wiederholen ein Zustand von Glück einstellt, betrachtete eine andere Studie die Langzeitauswirkungen von Sport. Die Teilnehmenden wurden über 15 Jahre hinweg in 2-Jahres-Abständen zu ihren sportlichen Aktivitäten und ihrem Glückslevel befragt. Sportliche Menschen sind deutlich selten unglücklich als inaktive Menschen. [11] Körperliche Aktivität in der Freizeit kann also mit einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit assoziiert werden, langfristig unglücklich zu werden und kann Glück über die Zeit erhalten.

Glück, Konsum und die Erde

Was wir also sagen können, wenn wir uns mit der Wissenschaft rund um das Glück beschäftigen: Der pure Konsum macht uns nicht glücklich. Es sind vielmehr die Aktivitäten, Erfahrungen, besonders auch mit anderen gemeinsam und für andere da zu sein.

Und das Beste daran: Das sind genau die Dinge, die nicht nur deinen Geldbeutel schonen, sondern auch unserem Planeten guttun.


Quellen

[1] Aaker, J. L., Rudd, M., & Mogilner, C. (2011): If money does not make you happy, consider time. Journal of consumer psychology, 21(2), 126-130.

[2] Bryant, F. B. (2003): Savoring beliefs inventory (SBI): A scale for measuring beliefs about savouring. Journal of Mental Health, 12(2), 175–196. doi:10.1080/0963823031000103489.

[3] Csikszentmihalyi, M. (1999): If we are so rich, why aren’t we happy?. American psychologist, 54(10), 821.

[4] Hills, P., & Argyle, M. (1998): Positive moods derived from leisure and their relationship to happiness and personality. Personality and individual differences, 25(3), 523-535.

[5] Iqbal, S. T., & Horvitz, E. (2007): Disruption and recovery of computing tasks: field study, analysis, and directions. In CHI (Vol. 7, 677-686).

[6] Korb, A. (2016): Die Aufwärtsspirale gegen Depressionen: Mit Neurowissenschaften Schritt für Schritt genesen. Herder.

[7] McCullough, M. E., Emmons, R. A., & Tsang, J.-A. (2002): The grateful disposition: A conceptual and empirical topography. Journal of Personality and Social Psychology, 82(1), 112–127. doi: 10.1037/0022-3514.82.1.112.

[8] Mogilner, C. (2010): The pursuit of happiness: Time, money, and social connection. Psychological Science, 21(9), 1348-1354.

[9] Nakamura, J., & Csikszentmihalyi, M. (2014): The concept of flow. In Flow and the foundations of positive psychology (pp. 239-263). Springer, Dordrecht.

[10] Post, S. G. (2005): Altruism, happiness, and health: It’s good to be good. International journal of behavioral medicine, 12(2), 66-77.

[11] Wang, F., Orpana, H. M., Morrison, H., De Groh, M., Dai, S., & Luo, W. (2012): Long-term association between leisure-time physical activity and changes in happiness: analysis of the Prospective National Population Health Survey. American journal of epidemiology, 176(12), 1095-1100.